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Hohe Nachfrage bei Sprechstunde für geflüchtete Kinder und Jugendliche

Projekt von SEGEMI und UNO-Flüchtlingshilfe geht ins fünfte Jahr


11.10.2023 | Presseinformation

Durch die Sprechstunde für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung helfen SEGEMI (Seelische Gesundheit, Migration und Flucht e.V.) und die UNO-Flüchtlingshilfe im nunmehr fünften Jahr, eine Versorgungslücke in Hamburg zu schließen. Am Mittwoch (11.10.) besuchte eine hochrangige Delegation der UNO-Flüchtlingshilfe SEGEMI im Rahmen einer Projektreise und tauschte sich mit den Mitarbeitenden aus. Nahezu 450 Hilfesuchende konnten die Fachleute des Vereins seit Beginn der Zusammenarbeit im September 2019 beraten. In die Sprechstunde kommen vor allem Kinder und Jugendliche mit hochkomplexen Symptombildern, die zuvor noch nicht ambulant versorgt wurden. Viele der – häufig unbegleiteten – jungen Menschen haben in ihrem Herkunftsland oder während der Flucht traumatische Erfahrungen gemacht. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie ist ein Großteil im Alltag sozial isoliert und kann die Vielfachbelastung in Familie, Schule, Beruf und im privaten Umfeld oft nicht ohne Hilfe bewältigen.


Psychosoziale Beratung und Krisenintervention

Durch die SEGEMI-Sprechstunde erhalten Kinder und Jugendliche durch Sozialarbeiterinnen, Psychologinnen und Psychotherapeutinnen einen niederschwelligen Zugang zu einer psychosozialen Fachberatung, zu fachspezifischer Diagnostik, Krisenintervention und können auch in die Regelversorgung vermittelt werden. Wenn nötig, stehen Fachkräfte des SEGEMI-Dolmetschpools zur Verfügung, um Beratungsgespräche zu übersetzen. Pro Klient:in stehen bis zu fünf Stunden Beratung zur Verfügung, bei Kriseninterventionen bzw. komplexen Problemlagen bis zu zehn Stunden.


Dr. Franziska Bomba, psychologische Psychotherapeutin bei SEGEMI und im Projekt der UNO-Flüchtlingshilfe: „Wer zu uns in die Sprechstunde kommt, hat meist viel hinter sich: die oft anstrengende Flucht aus Ländern wie Afghanistan oder Syrien, traumatische Erlebnisse auf dem langen Weg, Ankunft in der Fremde, manchmal auch ohne vertraute Personen und Familienmitglieder. Wir können hier den Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen sicheren Ort bieten, um über ihre Belastungen zu sprechen und ihre Symptome zu verstehen. Wir unterstützen sie dabei, sich zu stabilisieren, Ressourcen (wieder) zu entdecken und, wenn nötig, einen Psychotherapieplatz zu finden.“


Kinder und Jugendliche häufiger psychisch krank

Kinder und Jugendliche sind um ein Vielfaches häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen, wenn sie unter oft traumatischen Umständen aus ihren Heimatländern geflohen sind. Nach konservativen Schätzungen leiden etwa 20% der Geflüchteten an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung – häufig Traumafolgestörungen, wie eine Posttraumatische Belastungsstörung, Depression und Angststörungen. Therapieplätze für diese Altersgruppe sind in Hamburg ohnehin sehr nachgefragt und nur mit Glück und meist langen Wartezeiten zu bekommen. Wer durch Flucht psychisch erkrankt und nicht ausreichend Deutsch spricht, hat es noch schwerer. Zudem haben viele niedergelassene Psychotherapeut:innen und Psychiater:innen kaum Erfahrung in der zum Teil komplexen Arbeit und Problemstellung.


Prof. Mike Mösko, Vorsitzender des SEGEMI-Vorstands: „Die meisten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsene erleben enorme Belastungen, nicht wenige sind ernsthaft erkrankt und brauchen professionelle Hilfe. Die Gesundheitsversorgung ist überhaupt nicht auf die Bedürfnisse dieser Geflüchteten ausgerichtet. Dank der Förderung durch die UNO-Flüchtlingshilfe konnten wir vielen bereits aus ernsten Krisen helfen und sie einer professionellen Behandlung zuführen.“

SEGEMI hilft Versorgungslücke zu schließen

Um die fachgerechte psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung Geflüchteter in Hamburg zu verbessern, wurde 2015 der Verein SEGEMI gegründet. Die 2017 ins Leben gerufene Kinder- und Jugendlichen-Sprechstunde wurde zu Beginn durch private Spenden ermöglicht. Massiv ausgebaut werden konnte das Projekt seit 2019 durch Mittel der UNO-Flüchtlingshilfe. Inzwischen ist die Sprechstunde von SEGEMI in der psychosozialen Versorgung in Hamburg fest etabliert und vernetzt.


Als deutscher Partner des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) unterstützt die UNO-Flüchtlingshilfe neben Hilfsprojekten für Flüchtlinge im Ausland auch ausgewählte Projekte in Deutschland. Der Fokus der Förderung liegt dabei auf der Beratung und Betreuung von Geflüchteten, z.B. in den Bereichen Gesundheitsförderung, gerade besonders Schutzbedürftiger wie etwa Frauen, Kinder, Älterer und Menschen mit Behinderung.


Ansprechpartner für Medien:


Christoph Heinzle, Öffentlichkeitsarbeit (ehrenamtlich)

Prof. Mike Mösko, Vorsitzender des Vorstands


SEGEMI Seelische Gesundheit, Migration und Flucht e.V. Ferdinandstraße 36 20095 Hamburg

(040) 300 901 01, presse@segemi.org






Marius Tünte, Pressesprecher


UNO-Flüchtlingshilfe Graurheindorfer Str. 149 a 53117 Bonn

(0228) 90 90 86–47, tuente@uno-fluechtlingshilfe.de



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