#SEGEMIbautBrücken: Kampagne für bessere Behandlung Zugewanderter
Hamburg, 14.9.2026 | Presseinformation
Mit einer umfangreichen Social-Media-Kampagne sensibilisiert SEGEMI ab dem 14. September für eine bessere Behandlung Zugewanderter mit Hilfe professioneller Dolmetscher*innen. Die Organisation ruft gleichzeitig zu Spenden auf, weil durch öffentliche Finanzierung allein der hohe Bedarf nicht gedeckt werden kann. Sprachbarrieren sind ein Haupthindernis für den Zugang Behandlungsbedürftiger zum Gesundheitssystem. Seit 2017 bietet der SEGEMI Dolmetschpool niedergelassenen Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen in Hamburg den Zugang zu professionellen Dolmetscher*innen an – dank Finanzierung der Hamburger Sozialbehörde sogar kostenlos. Damit können Behandelnde in Hamburg aktuell in über 57 Sprachen mit ihren Patient*innen kommunizieren. Bislang nutzen aber nur 4% der Praxen in Hamburg diese professionelle Möglichkeit, Sprachbarrieren zu überwinden. Dadurch bleibt weiterhin vielen Zugewanderten der Zugang zu der weit überwiegend deutschsprachigen Gesundheitsversorgung verwehrt.
„In 10% aller Patient*innenkontakte können sich Behandler*innen und Patient*innen nicht hinreichend miteinander verständigen. Hier bedarf es struktureller und professioneller Lösungen und nicht dem Einsatz von Kindern als Dolmetschern“, so Prof. Dr. Mike Mösko (Vorsitzender, SEGEMI e.V.).
Social-Media-Videos mit Prominenten und Fachleuten
In der Social-Media-Kampagne #SEGEMIbautBrücken wurden Interviews mit 27 Personen aus Hamburg durchgeführt. Prominente und Fachleute machen deutlich, wie wichtig professionelle Kommunikation für eine erfolgreiche Behandlung ist. Beteiligt sind unter anderen der Moderator Yared Dibaba, der Schriftsteller Saša Stanišić, die Spitzen von Ärzte- und Psychotherapeuten-kammern der Kassenärztlichen Vereinigung, Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hamburg sowie medizinisches Personal aus Praxen, Dolmetschende und Betroffene, die aus der Praxis berichten.
„Der Bedarf nach Mehrsprachigkeit im (klinischen) Alltag ist einfach da, das kann man nicht ausblenden“, so Dr. Pedram Emami ( Präsident, Ärztekammer Hamburg). Die Aufklärungskampagne wendet sich an alle, die helfen wollen, die mehrsprachige Versorgung zu verbessern, aber auch an Behandelnde und an Zugewanderte, die ermutigt werden sollen, medizinische Angebote aktiv und offen wahrzunehmen – ohne Scham oder Schuldgefühle.
Wie gravierend es sein kann, wenn wir auf professionelle Dolmetschende verzichtet, verdeutlicht Cumhur Utku Dagli (21 Jahre) sehr anschaulich: „Seit meinem 4ten Lebensjahr habe ich in Hamburg regelmäßig für meine chronisch kranke Mutter bei Ärzt*innen dolmetschen müssen. Ich habe dadurch Klausuren und sogar Klassenfahrten verpasst und mich nicht mit meinen Freunden treffen können“.
Die Kampagne zielt auch darauf ab, Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen zur Zusammenarbeit mit professionellen Dolmetscher*innen zu motivieren: „Wenn professionelles Dolmetschen einfach ein gutes Mittel ist, um Menschen zu helfen, dann würde ich diese Mittel einsetzen. Ich finde sogar, dann ist man verpflichtet, dieses Mittel einzusetzen“, so Claudia Meister (Geschäftsführerin, Hanseatic Help).
Kampagne ist Teil eines internationalen Forschungsprojekts
Die Kampagne #SEGEMIbautBrücken ist Teil des internationalen Forschungsprojekts „Mehrsprachigkeit in der psychosozialen Gesundheitsversorgung für Migranten – Bedürfnisse, Ressourcen und Praktiken“ (www.mim2m.net), gefördert von der Volkswagen Stiftung. Projektpartner sind das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die Stellenbosch Universität in Südafrika, der Babeș-Bolyai-Universität Cluj in Rumänien und die Universität Utrecht in den Niederlanden. In Hamburg führt das UKE die Kampagne in Zusammenarbeit mit SEGEMI e.V. durch. Aktuelle wissenschaftliche Studien belegen, dass mangelnde Verständigungsmöglichkeiten weltweit eines der Haupthindernisse sind für eine Behandlung und Therapie fremdsprachiger Patient*innen.
Hoher Bedarf an professionellen Dolmetscher*innen
Über 170 ambulante ärztliche und psychotherapeutische Praxen in Hamburg nutzen derzeit den SEGEMI-Dolmetschpool. Die Hamburger Sozialbehörde finanziert das bundesweit einzigartige Modellprojekt. Allerdings reichen die Mittel nicht aus, um alle Bedarfe abzudecken. Daher benötigt der SEGEMI Dolmetschpool weitere finanzielle Unterstützung, damit noch mehr niedergelassene ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen in Hamburg diese kostenlose Unterstützung in Anspruch nehmen können.
SEGEMI wurde 2015 als gemeinnütziger Verein gegründet, um die fachgerechte psychosoziale Versorgung von Menschen mit Flucht- und Migrationsbiografie in Hamburg zu verbessern.
Bis zum Jahresende verbreitet SEGEMI dreimal wöchentlich Beiträge über diese Kanäle:
Ansprechpartner:
Thorsten van der Velten
Geschäftsführer
SEGEMI – Seelische Gesundheit · Migration und Flucht e.V.
Ferdinandstraße 36
20095 Hamburg
+49 (0) 176 420 657 23
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